Aufträge finden Handwerker6 Min. Lesezeit6. August 2026von Lukas Lavicka

Aufträge finden als Handwerker: acht Wege im ehrlichen Überblick

Handwerksbetriebe finden neue Aufträge über mehrere Wege gleichzeitig: über Empfehlungen und Bestandskunden, über ein bestätigtes Google-Unternehmensprofil, über die eigene Website, über Vermittlungsplattformen, über Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber, über Kooperationen mit anderen Gewerken, über Dauerkunden wie Hausverwaltungen und Bauträger sowie über Sichtbarkeit vor Ort, also Schild und Fahrzeugbeschriftung. Welcher Weg trägt, hängt von Gewerk, Region und verfügbarer Zeit ab.

TL;DRDas Wichtigste in Kürze

Handwerksbetriebe finden neue Aufträge über mehrere Wege gleichzeitig: über Empfehlungen und Bestandskunden, über ein bestätigtes Google-Unternehmensprofil, über die eigene Website, über Vermittlungsplattformen, über Ausschreibungen öffentlicher Auftraggeber, über Kooperationen mit anderen Gewerken, über Dauerkunden wie Hausverwaltungen und Bauträger sowie über Sichtbarkeit vor Ort, also Schild und Fahrzeugbeschriftung. Welcher Weg trägt, hängt von Gewerk, Region und verfügbarer Zeit ab.

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Warum ein einzelner Weg selten reicht

Rund 564.000 Handwerksunternehmen waren 2024 in Deutschland aktiv [Quelle: Destatis 2024]. In fast jedem Gewerk und in fast jeder Region gibt es also Wettbewerb um dieselben Kunden. Betriebe, die gleichmäßig ausgelastet sind, verlassen sich deshalb selten auf einen einzigen Kanal.

Die acht Wege unterscheiden sich in drei Punkten: wie viel Zeit sie kosten, wie schnell sie anlaufen und wie viel Kontrolle Sie behalten. Empfehlungen kosten wenig Zeit, lassen sich aber schwer steuern. Portale laufen schnell an, kosten aber Geld je Kontakt. Sichtbarkeit bei Google kostet Vorarbeit und bleibt danach bei Ihnen.

Wie schnell ein Weg trägt, hängt von Ihrem Gewerk, Ihrer Region und Ihrem Wettbewerb ab. Seriös vorhersagen kann das niemand, und dieser Ratgeber versucht es auch nicht.

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Empfehlungen und Bestandskunden

Der Weg mit dem geringsten Aufwand führt über Kunden, die Sie bereits haben. Zwei Ansatzpunkte lassen sich nebenher erledigen.

  • Bei der Abnahme fragen. Wer zufrieden ist, empfiehlt Sie weiter, wenn er einen Anlass dazu hat. Der Anlass entsteht selten von selbst. Ein Satz beim Abschluss reicht: ob er jemanden kennt, der etwas Ähnliches vorhat.
  • Alte Kunden ansprechen. Wartung, Nachrüstung, zweiter Bauabschnitt: das sind Anlässe, an die Ihr Kunde von selbst nicht denkt. Bevor Sie Bestandskunden zu Werbezwecken anrufen oder anschreiben, klären Sie, ob Sie dafür eine Einwilligung brauchen. Die Regeln stehen im Wettbewerbsrecht, im Zweifel fragen Sie Ihre Handwerkskammer.

Zu Bewertungen ein Hinweis: Google lässt Rezensionen nicht zu, für die direkt oder in Form von Sachleistungen bezahlt wurde. Ebenso untersagt sind Anreize wie Rabatte oder kostenlose Leistungen für das Veröffentlichen einer Rezension [Quelle: Google-Richtlinien für nutzergenerierte Inhalte, support.google.com, abgerufen am 06.08.2026]. Fragen ist erlaubt, bezahlen nicht.

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Google-Unternehmensprofil und lokale Auffindbarkeit

Wer einen Handwerker sucht, sieht zuerst die Karte mit den Betrieben in der Nähe. Grundlage dafür ist ein Unternehmensprofil bei Google. Anlegen können Sie es, wenn Ihr Betrieb einen Standort hat, den Kunden besuchen können, oder wenn Sie Ihre Leistungen beim Kunden vor Ort erbringen. Vor der Veröffentlichung verlangt Google eine Bestätigung, dass das Profil zu Ihnen gehört [Quelle: Google-Hilfe, Unternehmensprofil erstellen, abgerufen am 06.08.2026].

Vier Dinge haben Sie im Profil selbst in der Hand:

  • Leistungen und Einzugsgebiet vollständig eintragen, nicht nur das Hauptgewerk
  • Öffnungszeiten und Erreichbarkeit aktuell halten, auch über Feiertage und Betriebsurlaub
  • Eigene Fotos abgeschlossener Arbeiten statt Motiven aus der Bilddatenbank
  • Auf Bewertungen antworten, auch auf kritische, sachlich und kurz

Profil und Website greifen ineinander. Rund 64 Prozent der Google-Suchen in Deutschland kommen vom Smartphone [Quelle: SISTRIX 2021]. Wer Sie in der Karte antippt und dann auf einer Seite landet, die sich auf dem Handy nicht bedienen lässt, ist wieder weg.

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Die eigene Website

Die Website gehört Ihnen, anders als Profil, Portal und Plattform. Sie beantwortet die Fragen, die zwischen dem ersten Klick und dem Anruf stehen: Was machen Sie, wo arbeiten Sie, wie sieht Ihre Arbeit aus, wer geht ans Telefon.

Rund 99 Prozent der Klicks entfallen auf die erste Ergebnisseite bei Google [Quelle: Backlinko 2023]. An der Website hängen deshalb zwei Dinge: der technische Teil, damit Suchmaschinen die Seiten sauber auslesen können, und der inhaltliche, damit ein Kunde nach zehn Sekunden weiß, ob er richtig ist. Was dahintersteckt, steht im Überblick zur SEO-Optimierung und auf der Seite Webdesign fürs Handwerk.

Bei uns kostet die Visitenkarte 700 Euro und der Werkzeugkoffer 1.000 Euro, beides Endpreise. Die Lieferzeit beträgt ca. 7 Tage ab Vorliegen aller Inhalte. Was in welchem Paket steckt, steht auf der Seite Preise. Ob sich das für Sie lohnt, entscheiden Sie selbst: Ein Betrieb, der über zwei Bauträger ausgelastet ist, braucht etwas anderes als einer, der von Privatkunden aus der Umgebung lebt.

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Vermittlungsplattformen: das Modell in Kurzform

Vermittlungsportale wie MyHammer oder CHECK24 Profis vermitteln Kundenanfragen an passende Betriebe. Wie dabei abgerechnet wird, unterscheidet sich je Anbieter und je Gewerk, deshalb lohnt der Blick in die Konditionen des jeweiligen Portals.

CHECK24 Profis beschreibt das eigene Modell so:

Die Registrierung auf CHECK24 Profis ist für Sie kostenfrei. Wir erheben keine monatliche Gebühr. Kosten entstehen nur bei bestätigtem Interesse des Kunden.

[Quelle: handwerk.check24.de, Anbieterseite für Handwerker, abgerufen am 06.08.2026]

Konkrete Beträge nennen wir bewusst nicht. Die Konditionen unterscheiden sich je nach Anbieter, Gewerk, Auftragsvolumen und Region, und die Zahlen, die dazu im Netz kursieren, ließen sich am Original nicht prüfen. Verlässlich ist, was der Anbieter Ihnen vor dem Kauf eines Kontakts selbst anzeigt.

Zwei Eigenschaften des Modells sollten Sie vorher kennen. Erstens erhält je nach Portal mehr als ein Betrieb dieselbe Anfrage, Sie stehen also im direkten Vergleich. Zweitens zahlen Sie für den Kontakt, unabhängig davon, wie er ausgeht. Ob das aufgeht, rechnet jeder Betrieb für sich aus: Kosten je Kontakt gegen durchschnittlichen Auftragswert und gegen die Zeit, die ein Angebot kostet. Wer es ausprobiert, legt vorher ein Budget fest.

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Ausschreibungen und öffentliche Auftraggeber

Kommunen, Schulen, Wohnungsgesellschaften und Behörden vergeben laufend Arbeiten, und sie tun das über förmliche Verfahren. Bekanntmachungen öffentlicher Auftraggeber sind über den Bekanntmachungsservice des Bundes unter oeffentlichevergabe.de öffentlich zugänglich, dazu kommen die Vergabeportale der Länder und größerer Städte [Quelle: Bekanntmachungsservice des Bundes, oeffentlichevergabe.de, abgerufen am 06.08.2026].

Für einen kleinen Betrieb ist der Einstieg Arbeit. Rechnen Sie damit, dass Nachweise verlangt werden, etwa zur Eintragung in die Handwerksrolle oder zu Ihren Versicherungen, und dass Fristen strikt gelten. Was genau nötig ist, steht in den Vergabeunterlagen.

Der praktikable erste Schritt ist kleiner als eine EU-weite Ausschreibung: Fragen Sie bei der Vergabestelle oder dem Bauamt Ihrer Stadt nach, ob Betriebe für kleinere Aufträge direkt angefragt werden und wie man in diese Auswahl kommt. Das ist ein Telefonat, kein Projekt.

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Kooperationen mit anderen Gewerken

Ein Bad wird nicht von einem Gewerk gebaut. Elektro, Fliesen, Trockenbau und SHK arbeiten an derselben Baustelle, und jeder von ihnen sitzt regelmäßig bei Kunden, die auch Ihr Gewerk brauchen.

Das lässt sich ohne Vertragswerk organisieren: drei bis fünf Betriebe aus angrenzenden Gewerken, die Sie fachlich schätzen, ein klares Wort darüber, dass Sie sich gegenseitig weiterempfehlen, und die Verabredung, Anfragen weiterzugeben, die Sie selbst nicht bedienen können oder wollen. Wer eine Anfrage weiterreicht statt sie abzusagen, bleibt beim Kunden in guter Erinnerung.

Soll für eine Vermittlung Geld fließen, halten Sie das vorher schriftlich fest und klären Sie die steuerliche Behandlung mit Ihrer Steuerberatung.

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Bauträger, Hausverwaltungen und andere Dauerkunden

Ein Auftraggeber, der zwanzig Objekte betreut, ersetzt eine ganze Reihe Einzelkunden. Hausverwaltungen, Wohnungsgenossenschaften, Bauträger, Gebäudedienstleister, Filialisten und größere Gewerbebetriebe vergeben regelmäßig kleinere Arbeiten und achten darauf, dass ein Betrieb erreichbar ist, Termine hält und sauber abrechnet.

Der Weg dorthin ist Handarbeit: eine überschaubare Liste der Verwaltungen und Bauträger in Ihrem Umkreis, ein Ansprechpartner je Haus, ein kurzes Anschreiben oder Telefonat mit dem, was Sie konkret übernehmen können, und ein Nachfassen nach einigen Wochen. Gebraucht werden Sie oft erst, wenn beim bisherigen Betrieb etwas nicht geklappt hat. Es geht also um Präsenz zum richtigen Zeitpunkt.

Klären Sie vorher Zahlungsziele und Ansprechpartner. Und achten Sie darauf, dass Ihr Betrieb nicht an zwei Auftraggebern hängt: Wer dort ausfällt, fällt weit.

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Schild, Fahrzeug und Sichtbarkeit vor Ort

Ihr Firmenwagen steht mehrere Stunden am Tag in einer Straße, in der Menschen wohnen, die Ihr Gewerk irgendwann brauchen. Eine lesbare Beschriftung mit Gewerk, Ort und Telefonnummer arbeitet in dieser Zeit für Sie. Entscheidend ist, dass die Nummer aus zehn Metern Entfernung lesbar bleibt, alles andere ist Beiwerk.

Dasselbe gilt für ein Bauschild an einer laufenden Baustelle. Fragen Sie Ihren Kunden vorher, ob er einverstanden ist, und holen Sie das Schild nach Abschluss wieder ab.

Ein Punkt, der dabei oft übersehen wird: Wenn auf Fahrzeug oder Schild eine Adresse steht, die ins Leere führt oder auf dem Handy unbrauchbar ist, endet der Kontakt genau dort. Tippen Sie Ihren Betriebsnamen einmal selbst in die Suche.

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Was ein Betrieb mit zwei bis zehn Leuten realistisch schafft

Alle acht Wege gleichzeitig zu bearbeiten, geht nebenher nicht. Eine Reihenfolge, die sich in überschaubaren Schritten abarbeiten lässt:

  1. Zuerst das, was schon da ist. Unternehmensprofil vollständig ausfüllen und bestätigen, bei den nächsten Abnahmen nach einer Empfehlung fragen, Bestandskunden mit einem passenden Anlass ansprechen.
  2. Dann die eigene Basis. Website prüfen oder erneuern, damit das, was Sie an Sichtbarkeit erzeugen, auch irgendwo ankommt.
  3. Dann ein zweiter Kanal. Je nach Gewerk: Kooperationen, Hausverwaltungen und Bauträger oder ein Portal-Test mit vorher festgelegtem Budget.
  4. Zuletzt das Aufwendige. Ausschreibungen und öffentliche Auftraggeber, sobald die Unterlagen ohnehin geordnet vorliegen.

Legen Sie dafür einen festen Termin in der Woche fest, zum Beispiel eine Stunde am Freitagnachmittag, statt auf freie Zeit zu warten. Und notieren Sie bei jeder Anfrage, woher sie kam. Nach einigen Monaten sehen Sie schwarz auf weiß, welcher Weg in Ihrem Betrieb trägt, statt es zu vermuten.

Wenn genug Aufträge da sind und die Leute fehlen, verschiebt sich das Thema von Kunden zu Bewerbern. Wie eine Karriereseite dafür aussehen kann, steht im Ratgeber zur Karriereseite im Handwerk.

mB

Geschrieben von meinBetrieb online

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